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Qualität regelt die Nachfrage

: Iscar


Zur wirtschaftlichen Herstellung der Schlüsselkomponente Seilscheibe setzt der Seilbahnhersteller Doppelmayr/Garaventa auf das Werkzeugkonzept von Iscar. Dabei beweisen zwei Planfräser, ein Sonderigelfräser und ein Scheibenfräser die hohe Qualität der Fräswerkzeuge des weltweit zweitgrößten Zerspanungswerkzeugherstellers und gewährleisten neben entsprechenden Schnittdaten und Standzeiten auch die Prozesssicherheit der Bearbeitung.

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(v.l.n.r.) Dieses Werkzeugkonzept von Iscar erhielt bei Doppelmayr den Zuschlag: Helitang Planeckfräser T490, Helido 45° Planfräser S845, Sonderigelfräser SM80 und der TangMill Scheibenfräser.

(v.l.n.r.) Dieses Werkzeugkonzept von Iscar erhielt bei Doppelmayr den Zuschlag:...

Autor: Ing. Robert Fraunberger / x-technik

Wer kennt sie nicht, die Seilbahnen des Vorarlberger Herstellers Doppelmayr/Garaventa. Die Unternehmensgruppe ist immerhin Weltmarktführer im Seilbahnwesen. Dabei entwickeln und produzieren die weltweit über 2.000 Mitarbeiter leistungsfähige Personentransportsysteme für Sommer- und Wintertourismusgebiete sowie zeitgemäße Personennahverkehrssysteme für Städte, Flughäfen, Einkaufszentren und Messen. Weiters bietet die Gruppe innovative Materialtransportsysteme für den Schütt- und Stückguttransport.

Doppelmayr/Garaventa hat Produktionsstandorte sowie Vertriebs- und Service- Niederlassungen in über 33 Ländern und verkaufte bereits über 14.000 Seilbahnsysteme für Kunden in 81 Staaten der Welt. Der österreichische Hauptsitz und gleichzeitig wohl wichtigster Produktionsstandort befindet sich in Wolfurt, Vorarlberg.

Hohe Fertigungstiefe

Das Werk mit dem Namen „Hohe Brücke“ wurde vor rund neun Jahren errichtet und ist auf die Optimierung der Fertigung bei hoher Produktivität ausgerichtet. „Wir verfügen über eine sehr hohe Fertigungstiefe: Vom Rohmaterial bis zu den Komponenten und Baugruppen werden nahezu alle wichtigen Produktionsschritte durchgeführt“, erklärt Werksleiter Karl-Heinz Zündel. Die 200 Mitarbeiter
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Der Sonderigelfräser von Iscar bei der Bearbeitung eines Seilscheibensegmentes bei Doppelmayr.

Der Sonderigelfräser von Iscar bei der Bearbeitung eines Seilscheibensegmentes...

am Standort verarbeiten im Dreischichtbetrieb täglich ca. 80 Tonnen Stahl. Neben der Abteilung Stahlbau nimmt die mechanische Fertigung mit 55 Mitarbeitern einen sehr hohen Stellenwert ein.

Auch der Maschinenpark ist dementsprechend umfangreich mit hochwertigen CNC-Maschinen zum Drehen, Fräsen und Bohren der meist großen und schweren Teile, ausgelegt. „Wir verfügen über einen guten Mix verschiedener Fertigungstechnologien, wenngleich der Großteil für die Bearbeitung größerer, komplexer Teile ausgelegt ist“, führt der Werksleiter weiter aus.

Seilscheibe als Schlüsselkomponente

Eine wichtige und entsprechend große Komponente, die zur Funktionalität einer Seilbahn beiträgt, ist die sogenannte Seilscheibe, die jeweils im Tal und am Berg für die Umlenkung des Seiles sorgt. Aus logistischen Anforderungen ­­– der Durchmesser der Scheiben reicht je nach Spurbreite bis zu über sieben Metern – hat man das Konzept zur Herstellung dieser Scheiben verändert. „Wir liefern unsere Komponenten in Containern oder LKWs, daher ist die Teilung der Scheibe logistisch sehr effektiv. In einem Stück ist der Bauteil kaum bzw. nur schwer auf die Berge lieferbar“, begründet Karl-Heinz Zündel das neue Fertigungskonzept. Vorher wurden die Seilscheiben im Ganzen auf einer Plandrehbank gefertigt.

Als
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Die Strategie zur Bearbeitung einer Seilbscheibe wurde bei Doppelmayr aufgrund logistischer Anforderungen umgestellt: Heute werden fünf einzelne Komponenten produziert, gelagert und vor Ort zusammengesetzt.

Die Strategie zur Bearbeitung einer Seilbscheibe wurde bei Doppelmayr aufgrund...

Basis einer wirtschaftlichen Bearbeitung der fünf Teilkomponenten schaffte man sich im Jahr 2008 ein neues Portal-Bearbeitungszentrum von Droop + Rhein an. Immerhin sorgt das jetzt zum Standardteil gewordene Seilscheibensegment mit 500 bis 700 Stück/Jahr für eine Basisauslastung der neuen Maschine. „Durch das neue Fertigungskonzept können wir die Komponenten komplett in einer Aufspannung fertigen und einzeln einlagern. Alle Teile sind somit kompatibel und austauschbar“, so der Werksleiter.

Komplexe Bearbeitungssituation

Um die Bearbeitung auch wirtschaftlich attraktiv zu gestalten, musste man den richtigen Mix von Werkzeugmaschine (Leistung und Stabilität), den richtigen Werkzeugen (Vibrationen und Standzeit), der Aufspannvorrichtung (Reduktion der Nebenzeiten) und der Konstruktion des Bauteiles selbst finden. „Dazu gab es im Vorfeld natürlich entsprechende Überlegungen, z. B. stellten wir gewisse Vorgaben an die Bearbeitungszeit. Im Vordergrund stand jedoch vor allem die Prozesssicherheit“, erläutert Karl-Heinz Zündel. Dass der Bauteil eine Schweißkonstruktion aus ST52 mit unterschiedlichem Aufmaß (unkontrollierter Schnitt) und nicht gerade einfach zu spannen ist (Anm.: An einer verbesserten Spannvorrichtung wird momentan auch noch gearbeitet), macht das ‚Leben’ für die eingesetzten Werkzeuge nicht gerade einfacher.

Zur Auslegung des Werkzeugkonzepts wurden alle namhaften Hersteller, darunter auch die Iscar GmbH, eingeladen. Diese wurde auch seitens des Maschinenlieferanten Droop + Rein empfohlen. Die Hauptbearbeitung des Seilscheibensegmentes ist die Fertigstellung der Nut, in der das Seil geführt wird. Dazu schlug
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Zufriedene Partner: (v.l.n.r.:) Peter Trichas (Iscar), Hubert Bilgeri (Fertigungsleiter) und Urban Dünser (Maschinenbediener).

Zufriedene Partner: (v.l.n.r.:) Peter Trichas (Iscar), Hubert Bilgeri (Fertigungsleiter)...

Iscar zum Planfräsen der Stege und zum Vorfräsen des Nutgrundes den Helitang Planeckfräser T490 mit vier rechten wendelförmigen Schneiden, zur Erstellung des Profils und Fertigbearbeitung der Nut einen Sonderigelfräser, zum Planfräsen oben einen Helido 45°-Planfräser S845 und zum Planfräsen unten einen TangMill Scheibenfräser vor. Nach mehreren Testbearbeitungen konnte das Werkzeugkonzept von Iscar das Doppelmayr-Expertenteam gänzlich überzeugen.

Igelfräser als Schlüssel zum Erfolg

„Grundsätzlich haben uns alle Iscar-Werkzeuge überzeugt. Die Schlüsselbearbeitung ist jedoch der Einsatz eines Sonderigelfräsers zur Fertigbearbeitung der Nut. Iscar war in der Auslegung dieses Werkzeuges zum einen mutiger mit den Schnittdaten, zum anderen überzeugt das Werkzeug auch durch einen positiven und weichen Schnitt, der die aufgrund der schweren Spannsituation entstehenden Vibrationen auf ein Minimum reduziert und somit die Bearbeitung prozesssicher macht“, zeigt sich der Werksleiter zufrieden.

Ergänzend dazu erläutert der zuständige Iscar-Vertriebstechniker Peter Trichas – selbst gelernter Zerspanungstechniker und lange Jahre als Fertigungsleiter tätig: „Zum Großteil liegt das Geheimnis in der tangentialen Anordnung der Wendeplatten, wo Iscar sicherlich Vorreiter ist. Ein weiterer Vorteil liegt natürlich in der Qualität der Wendeplatte selbst. Iscar ist einer der wenigen Werkzeughersteller, die selbst Hartmetall erzeugen können. Dazu kommt, dass die Wendeplatten bei Iscar nicht
nur gesintert und beschichtet werden, sondern großteils vor dem Beschichten geschliffen und danach nochmals nachbehandelt werden.“

Der Sonderigelfräser ist mit 36 Wendeschneidplatten bestückt, wobei die Anordnung der Plattensitze sehr vielfältig ist und jede einzelne Wendeplatte eine bestimmte Aufgabe erfüllt. Daher sind die Wendeplatten auch mit unterschiedlichen Hartmetallsorten IC928 oder IC830 und unterschiedlichen Beschichtungen aus der Sumotec-Serie ausgeführt. „Die ausgezeichneten Beschichtungen von Iscar sind sicherlich maßgeblich für die hohen Standzeiten der Wendeplatten“, pflichtet Karl-Heinz Zündel bei.

Für Projekte dieser Größe steht Iscar Austria das Schwesterunternehmen Iscar Germany unterstützend zur Seite, das in Ettlingen (D) über die entsprechenden Ressourcen und Experten verfügt. „Nach den ersten Tests mussten wir zur weiteren Optimierung des Prozesses noch geringfügige Änderungen bei drei Plattensitzen des Igelfräsers durchführen, was jedoch kein Problem für uns darstellte“, so Peter Trichas. Auch die Notwendigkeit einer IKZ-Ausführung des Werkzeuges wurde nach diesen Tests klar. Auch diese wurden anstandslos nachgerüstet.

Stetiges Weiterentwickeln

Das Ergebnis der Umstellung auf eine geteilte Bearbeitung brachte übrigens neben dem logistischen Vorteil auch einen Zeitgewinn in der Bearbeitung. Denn mit rund drei Stunden Bearbeitungszeit für ein Seilscheibensegment ist man in Summe unter der Bearbeitungszeit der Seilscheibe im Ganzen. (Anm. d. Red.: Genaue Daten werden im gesamten Artikel aus Wettbewerbsgründen nicht genannt).

Bereits die Ergebnisse der ersten Probebearbeitungen mit den Fräswerkzeugen von Iscar waren für Doppelmayr überraschend gut. Schon damals wurden die Vorgabezeiten eingehalten und die Prozesssicherheit gewährleistet. Diesen Zustand hat
und wird man noch weiter verbessern. „Bei Projekten wie diesen ist ein stetiges Weiterentwickeln der Bearbeitung unerlässlich“, zeigt Peter Trichas die Bereitschaft seitens Iscar´s auf, den Prozess weiterhin zu optimieren. Dies ist auch für Doppelmayr ein wichtiges Kriterium. „Für uns zählen Partnerschaften und ein fairer gegenseitiger Umgang. Neben der Qualität der Werkzeuge haben uns diese Eigenschaften bei Iscar sehr gut gefallen, deshalb werden wir das Unternehmen auch bei zukünftigen Projekten wieder mit einbeziehen. Letztendlich regelt die Qualität die Nachfrage“, beschließt Karl-Heinz Zündel.
(v.l.n.r.) Dieses Werkzeugkonzept von Iscar erhielt bei Doppelmayr den Zuschlag: Helitang Planeckfräser T490, Helido 45° Planfräser S845, Sonderigelfräser SM80 und der TangMill Scheibenfräser.
Der Sonderigelfräser von Iscar bei der Bearbeitung eines Seilscheibensegmentes bei Doppelmayr.
Die Strategie zur Bearbeitung einer Seilbscheibe wurde bei Doppelmayr aufgrund logistischer Anforderungen umgestellt: Heute werden fünf einzelne Komponenten produziert, gelagert und vor Ort zusammengesetzt.
Zufriedene Partner: (v.l.n.r.:) Peter Trichas (Iscar), Hubert Bilgeri (Fertigungsleiter) und Urban Dünser (Maschinenbediener).



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