Fachverlag x-technik
search
 

Schließen

PDF


Mehrspindler für die hohe Schule des Automatendrehens

: Index-Traub


Lohnbearbeitung und insbesondere das Automatendrehen sind ein schwieriges Geschäft mit geringen Margen in einem harten Wettbewerbsumfeld. Um hier auf Dauer erfolgreich bestehen zu können, muss ein Unternehmen mehr bieten können als Qualität und günstige Preise. Zunehmend verlangen die Kunden auch Flexibilität bezüglich Mengen und Terminen sowie weitergehende Dienstleistungen. Auf diesem Feld schlägt sich der französische Mittelständler JCM Décolletage mit gutem Erfolg – nicht zuletzt auch dank der Entscheidung für den inzwischen bereits zweiten Mehrspindel-Drehautomaten MS40C von Index. Von Klaus Vollrath, Freier Fachredakteur

/xtredimg/2018/Fertigungstechnik/Ausgabe229/15727/web/BeideMaschinenIMG_4210.jpg
Bei JCM Décolletage steht inzwischen bereits der zweite Mehrspindel-Drehautomat Index MS40C. (Bilder: Klaus Vollrath)

Bei JCM Décolletage steht inzwischen bereits der zweite Mehrspindel-Drehautomat...

„Wir haben uns vom traditionellen Automatendreher zu einem sehr breitbandig aufgestellten Bearbeitungsspezialisten mit hohem Dienstleistungsanteil weiterentwickelt“, erläutert Michel Jiguet-Covex, Inhaber und Geschäftsführer JCM Décolletage in Sallanches (FRA). Das von Jiguet-Covex 1979 gegründete Unternehmen begann zunächst mit der Produktion von Massenteilen auf preisgünstigen und hoch produktiven Drehautomaten, deren Steuerung damals noch über Kurvenscheiben statt mittels CNC-Rechner erfolgte. Schon früh wurde erkannt, dass die beste Zukunftsstrategie darin besteht, die Palette der angebotenen Technologien und Dienstleistungen Zug um Zug zu erweitern. Statt sich auf billige Massenteile nach Zeichnungsvorgabe zu beschränken, verfolgte man konsequent den Weg zum Komplettdienstleister und Entwicklungspartner, der imstande ist, seinen Kunden jeweils die benötigte Prozesskette einschließlich der dazu erforderlichen zusätzlichen Leistungen bis hin zur Entwicklungspartnerschaft bei der Konstruktion neuer Produkte anzubieten. Heute beliefert JCM zahlreiche Branchen vom Automobilhersteller über den Maschinenbau und die Luft- und Raumfahrt bis zur Medizintechnik.

Komplettentwicklung des Fertigungsprozesses

„Moderne Produkte und die dafür erforderlichen Prozessketten werden immer komplexer. Kaum eine Firma kann das alleine darstellen, dafür braucht man Partner“, betont David Grandjacques, Fertigungsleiter bei JCM Décolletage. Auf diese Bedürfnisse habe man sich bei JCM eingestellt und biete den Kunden alle erforderlichen Leistungen aus einer Hand an. Dazu gehört heutzutage mehr und mehr auch die partnerschaftliche Unterstützung bei der Entwicklung neuer Produkte. Hier steuert JCM sein umfassendes Produktions-Know-how im Rahmen gemeinsamer Projektgespräche bei. Zu diesen Entwicklungsdienstleistungen gehört neben der Erstellung von Prototypen
/xtredimg/2018/Fertigungstechnik/Ausgabe229/15727/web/ArbeitsraumIMG_4221.jpg
Der Blick in den Arbeitsraum einer Index MS40C offenbart die zahlreichen Schlitten mit ihrer Vielzahl an starren bzw. angetriebenen Werkzeugen.

Der Blick in den Arbeitsraum einer Index MS40C offenbart die zahlreichen Schlitten...

und Vorserien auch die Komplettentwicklung des Fertigungsprozesses. Dies umfasst sogar Fälle, in denen die spätere Vergabe der eigentlichen Serienherstellung an andere Zulieferer von vornherein vorgesehen ist.

„Als weitere Maxime gilt bei uns, dass wir so flexibel wie irgend möglich auf Kundenwünsche reagieren“, verrät Michel Jiguet-Covex. Im Prinzip gehöre dies zur Dienstleistungsphilosophie der Firma. Dazu gehören schnelle Reaktionszeiten auf Anfragen, eine zügige Auftragsabwicklung, last but not least jedoch auch die Aspekte Werkstoffe, Abmessungen und Stückzahlen. So bearbeite man neben praktisch allen gängigen Industriemetallen auch Kunststoffe. Auch bei den Seriengrößen sei man beweglich. Man übernehme alles von der Kleinserie bis zu Stückzahlen von mehreren Millionen und biete so dem Kunden einen „One stop Shop“.

Breite Technologiepalette

„Aus dem gleichen Grund haben wir unsere Technologiebandbreite im Laufe der Jahre systematisch ausgebaut“, erläutert David Grandjacques. Deshalb investiere man konsequent jährlich rund 10 % des Umsatzes in neue Anlagen. Derzeit sei die Produktion in vier verschiedene Bereiche untergliedert. Die „klassische“ Automatendreherei mit überwiegend über Kurvenscheiben gesteuerten Mehrspindlern wurde 2013 und 2017 um zwei CNC-gesteuerte Mehrspindeldrehautomaten MS40C von Index erweitert. Diese ermöglichen die gleichzeitige Verarbeitung von Stangen bis 40 mm Ø an sechs Spindeln und sind wesentlich einfacher und schneller umrüstbar. In zwei weiteren Abteilungen werden komplexe Teile auf 26 CNC-gesteuerten Lang- bzw. Kurzdrehautomaten hergestellt, die hochpräzise und
/xtredimg/2018/Fertigungstechnik/Ausgabe229/15727/web/Einsatz-StopfenIMG_0039.jpg
Diese Stahlbauteile für eine Straßenbaumaschine wurden nach der Schruppbearbeitung einsatzgehärtet und im harten Zustand gefinisht.

Diese Stahlbauteile für eine Straßenbaumaschine wurden nach der Schruppbearbeitung...

aufwendige Bearbeitungen durchführen können. Hier entstehen bevorzugt Teile für die Elektronik, die Luft- und Raumfahrt oder die Medizintechnik. In der vierten Abteilung erzeugen sechs CNC-gesteuerte 5-Achs-Bearbeitungszentren Frästeile mit Kantenlängen bis zu 200 mm.

Mithilfe bewährter Partner werden auch Wärmebehandlungen sowie Oberflächenbeschichtungen vorgenommen. Da teilweise Materialien mit sehr hohen Härten bearbeitet werden, verfügt man auch über Anlagen zur Schleifbearbeitung. Aufgrund der höheren Produktivität bevorzugt man jedoch bei Härten unter 65 HRC die Bearbeitung mittels Drehen oder Fräsen. Ergänzt wird das Angebot außerdem durch Anlagen zur automatisierten 100 %-Prüfung und Montage mithilfe von Kamerasystemen und Robotern. Selbstverständlich verfügt JCM über ein ausgefeiltes Qualitätsmanagementsystem mit einer Vielzahl moderner Messsysteme sowie der entsprechenden Zertifizierung nach ISO 9001.

Warum die Wahl auf die MS40C fiel

„Die Entscheidung für die Beschaffung unserer ersten Index MS40C fiel allein aus dem Grund, weil wir mit dieser Anlage neue, noch nicht bediente Marktsegmente angehen wollten“, schmunzelt Michel Jiguet-Covex. Mit den bisher eingesetzten, kurvengesteuerten Mehrspindlern konnte man bestimmte Teilekategorien mit höheren Anforderungen bezüglich geometrischer Komplexität und Präzision schlicht nicht realisieren. Die vorhandenen Einspindler konnten dagegen bezüglich Produktivität und Kosten nicht mithalten. Zudem eigneten sich die bisherigen Anlagen nicht so gut für schnelle Umrüstungen und schränkten daher die Möglichkeiten zur flexiblen Anpassung an plötzliche Wechsel im Auftragsgeschehen empfindlich ein. Mit den neuen Anlagen war es möglich, anspruchsvollere Produkte
bei wettbewerbsfähigen Kosten herzustellen und zugleich auch flexibler auf Wünsche nach kleineren Serien oder auf plötzliche Fluktuationen im Auftragsgeschehen zu reagieren. Die Erfahrungen waren so positiv, dass inzwischen eine weitere MS40C angeschafft wurde, die zusammen mit einer vollautomatischen Inspektions- und Montageeinrichtung speziell für die Herstellung einer anspruchsvollen Baugruppe für Kfz-Turbolader zum Einsatz kommt.

Enge Partnerschaft

„Wir haben uns erneut für eine Index-Maschine entschieden, da wir mit diesen Produkten und mit der hiesigen Vertretung gute Erfahrungen gemacht haben“, bilanziert Michel Jiguet-Covex. Diese Erfahrungen reichen bis ins Jahr 2005 zurück, als man eine erste Index ABC kaufte. Mit Service, Beratung und Schulung durch den Hersteller war man stets zufrieden – sowohl die Reaktionsgeschwindigkeit als auch die Kompetenz der Mitarbeiter und die Intensität der Betreuung betreffend. „Über die normalen Geschäftsbeziehungen hinaus gibt es mit Index auch eine regelrechte Entwicklungspartnerschaft, beispielsweise wenn es darum geht, neue Aufgabenstellungen bezüglich ihrer Machbarkeit einzuschätzen oder spezielles Zubehör für besondere Anwendungen zu entwickeln“, ergänzt der Geschäftsführer. Diese über viele Jahre gewachsene Vertrauensbasis gab auch den Ausschlag für die Beschaffung weiterer Index-Anlagen: Einer C100 sowie der zweiten MS40C im Jahr 2017.

Bei JCM Décolletage steht inzwischen bereits der zweite Mehrspindel-Drehautomat Index MS40C. (Bilder: Klaus Vollrath)
Der Blick in den Arbeitsraum einer Index MS40C offenbart die zahlreichen Schlitten mit ihrer Vielzahl an starren bzw. angetriebenen Werkzeugen.
Diese Stahlbauteile für eine Straßenbaumaschine wurden nach der Schruppbearbeitung einsatzgehärtet und im harten Zustand gefinisht.
Voll automatisierte Prüf- und Montagezelle mit zwei Handlingrobotern sowie 100 %-Prüfung mithilfe von computergestützter Bildanalyse für eine anspruchsvolle Baugruppe für Turbolader.
Die kontinuierliche Selbstkontrolle der Mitarbeiter ist Grundbestandteil des Qualitätsmanagements.
Partnerschaftlich verbunden: Michel Jiguet-Covex, Inhaber und Geschäftsführer JCM Décolletage, und Benoît Eture, Produktmanager Mehrspindel-Drehautomaten Index France.


Zum Firmenprofil >>



Special Digitalisierung der Zerspanungstechnik

WT_Technology-Center_Toolroom_vernetzt.jpg Die aktuell wichtigste Aufgabenstellung für Hersteller und Anwender von Werkzeugmaschinen ergibt sich aus der Digitalisierung der Produktionsumgebungen. Auf der EMO 2017 haben zahlreiche Anbieter IHRE Möglichkeiten für eine Smarte Zerspanung vorgestellt – mit unterschiedlichem Fokus spiegelten sich vielfältige Lösungen zur Vernetzung, Datenanalyse und zu neuen Services wider.
mehr lesen >>

Im Gespräch

statement_3513.jpgJeder muss seinen Weg finden
Ende Juni fand der traditionelle Mapal-Pressetag in Aalen statt. Wir nutzten die Möglichkeit, mit Herrn Dr. Jochen Kress, seit 2018 geschäftsführender Gesellschafter von Mapal, über die aktuelle wirtschaftliche Situation, den Fachkräftemangel, neue Geschäftsfelder, die zunehmende Digitalisierung sowie Zukunftspläne und Wünsche des Präzisionswerkzeugherstellers zu sprechen. Das Gespräch führten Ing. Robert Fraunberger und Christof Lampert, x-technik
Interview lesen >>

Newsletter abonnieren